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Diese Stimme, tief und deutlich artikulierend, erkennen
viele Menschen in ganz Deutschland. Einige Minuten vor dem Interview-Termin am
Nachmittag steht Rosel Zech am Empfang ihres Hotels bereit und bestellt sich
noch schnell einen Kaffee. "Wollen Sie auch einen?", fragt sie ebenso nett, wie
sie am Vorabend als Sitznachbarin bei "Peer Gynt" auf der Luisenburg ihre
Lutschpastillen mit der Umgebung geteilt hat. Heuer wirkt die berühmte und
beliebte Schauspielerin auf der Wunsiedler Naturbühne selbst mit: als
beeindruckende Mutter Courage in Bertolt Brechts Kriegs-Panorama.
"Nachmittags läuft meine biologische Uhr nicht auf
Hochtouren", verrät sie mit Blick auf den Kaffee. Das hat sie auch in
Salzburg empfunden, wo sie in "Jedermann" oder "Julius Cäsar" am
frühen Nachmittag auf die Bühne musste. Beim Drehen (die Liste ihrer
Filme ist lang) steht sie dagegen um fünf oder sechs Uhr früh auf.
Daran hat sie sich nicht nur gewöhnt - sie findet es sogar optimal,
morgens unbelastet von den Ängsten und Gedanken, die die Fantasie im Lauf
des Tages ansammelt, an die Arbeit zu gehen. Deshalb schwärmt sie von der
Vormittagsvorstellung der "Mutter Courage" auf der Luisenburg: "Die war
präzise und genau - schade, dass es immer nur die eine gibt."
Auch die Liste von Rosel Zechs Bühnen-Auftritten ist
enorm reichhaltig. Was gibt es da für sie eigentlich noch zu spielen? Die
Antwort kommt mit schelmisch blitzenden Augen: "Die Mutter Courage." Das
Stück stand freilich schon zuvor auf ihrer Liste, allerdings mit der Rolle
der Kattrin. Vergleichen kann man die Aufführungen ihrer Meinung nach
nicht, denn damals wurde Brechts Inszenierung streng nachgespielt, während
in Wunsiedel Pierre Walter Politz eine gelungene Gratwanderung zwischen Brechts
Vorschriften und eigenen Ideen für eine "wilde, farbige Aufführung"
vollbringt - übrigens einer der Gründe, warum sie die Anfrage von
Intendant Michael Lerchenberg positiv beantwortete.
In der Luisenburg-Inszenierung zeigt die robuste Courage
auch weiche Stellen. Doch will Rosel Zech nicht mit ihnen hausieren gehen: "Das
ist eine starke Frau, die nicht über Gefühle redet, aber trotzdem
welche hat." Das deutlichste Beispiel ist für sie eine Szene gegen Ende
des Stücks, wenn sie wegen ihrer Tochter Kattrin auf ein Leben mit dem
geliebten Mann verzichtet - und nicht darüber spricht.
Dass Zech im Bewusstsein des Publikums die herbe Mutterrolle
gepachtet hat, schiebt sie auf die Bekanntheit der Mutter Oberin aus der
Fernsehserie "Um Himmels willen" - aber auch die habe durchaus ihre weichen
Stellen. "In allen Menschen steckt Feminines und Maskulines." Ihr
männliches Beispiel ist Marlon Brando, der viel Erfolg hatte, weil er auch
eine weichere Seite zeigte. "Aber glauben Sie mir, es gab auch schon ganz
andere Rollen für mich ..."
Nur zwei davon führten Rosel Zech auf
Freilichtbühnen, und nie auf eine so überwältigend große.
Abgesehen vom Kampf mit dem Wetter ("Schwüle Hitze im Pelzmantel ist noch
schlimmer als Kälte und lange Unterhosen"), bedeutet das für sie als
Befürworterin des Kunstraums den Einsatz neuer darstellerischer Mittel: Im
Theater würde sie feiner differenzieren; die Luisenburg fordert sie
heraus, ihre Bewegungen zu vergrößern, was sie durchaus als
reizvolle Aufgabe empfindet.
Warum man eine Schauspielerin mit einem solchem Spektrum an
darstellerischen Möglichkeiten auch in einem Rosamunde-Pilcher-Film sah?
"Ich wollte mal nach England", lautet ihre entwaffnende Antwort. Im
Übrigen habe sie auch in einem Film mit schablonenhafter Handlung "gut und
schön gespielt".
Jetzt, nach den anstrengenden "Courage"-Proben und
bejubelten Aufführungen, kann Rosel Zech auch mal ihren Hobbys
frönen: mit dem musikalischen Betreuer des Stücks, Max Doehlemann,
statt Dessau Schubert singen; oder lesen; oder die herrliche Landschaft um die
Luisenburg bei Spaziergängen erkunden. Aber nicht mehr lange; denn sofort
nach der Luisenburg-Zeit geht es weiter, mit Theater und Fernsehen: Die Nonnen
stehen schon in den Startlöchern für eine neue Staffel. |