Home | Vita | Aktuell | Kino | Fernsehen | Theater | Hörbücher | Awards | Archiv | Impressum | Memories | Links
Theater

Mutter Courage und ihre Kinder

- Pressestimmen -

05.08.2009 - Frankenpost (Von Bärbel Lüneberg)

Weiche Stellen auf rauer Haut

Rosel Zech berichtet über ihre Erfahrungen als Courage auf der Luisenburg. Sie kann mehr spielen als nur herbe Mütter.

Wunsiedel - Diese Stimme, tief und deutlich artikulierend, erkennen viele Menschen in ganz Deutschland. Einige Minuten vor dem Interview-Termin am Nachmittag steht Rosel Zech am Empfang ihres Hotels bereit und bestellt sich noch schnell einen Kaffee.
 

Diese Stimme, tief und deutlich artikulierend, erkennen viele Menschen in ganz Deutschland. Einige Minuten vor dem Interview-Termin am Nachmittag steht Rosel Zech am Empfang ihres Hotels bereit und bestellt sich noch schnell einen Kaffee. "Wollen Sie auch einen?", fragt sie ebenso nett, wie sie am Vorabend als Sitznachbarin bei "Peer Gynt" auf der Luisenburg ihre Lutschpastillen mit der Umgebung geteilt hat. Heuer wirkt die berühmte und beliebte Schauspielerin auf der Wunsiedler Naturbühne selbst mit: als beeindruckende Mutter Courage in Bertolt Brechts Kriegs-Panorama.

"Nachmittags läuft meine biologische Uhr nicht auf Hochtouren", verrät sie mit Blick auf den Kaffee. Das hat sie auch in Salzburg empfunden, wo sie in "Jedermann" oder "Julius Cäsar" am frühen Nachmittag auf die Bühne musste. Beim Drehen (die Liste ihrer Filme ist lang) steht sie dagegen um fünf oder sechs Uhr früh auf. Daran hat sie sich nicht nur gewöhnt - sie findet es sogar optimal, morgens unbelastet von den Ängsten und Gedanken, die die Fantasie im Lauf des Tages ansammelt, an die Arbeit zu gehen. Deshalb schwärmt sie von der Vormittagsvorstellung der "Mutter Courage" auf der Luisenburg: "Die war präzise und genau - schade, dass es immer nur die eine gibt."

Auch die Liste von Rosel Zechs Bühnen-Auftritten ist enorm reichhaltig. Was gibt es da für sie eigentlich noch zu spielen? Die Antwort kommt mit schelmisch blitzenden Augen: "Die Mutter Courage." Das Stück stand freilich schon zuvor auf ihrer Liste, allerdings mit der Rolle der Kattrin. Vergleichen kann man die Aufführungen ihrer Meinung nach nicht, denn damals wurde Brechts Inszenierung streng nachgespielt, während in Wunsiedel Pierre Walter Politz eine gelungene Gratwanderung zwischen Brechts Vorschriften und eigenen Ideen für eine "wilde, farbige Aufführung" vollbringt - übrigens einer der Gründe, warum sie die Anfrage von Intendant Michael Lerchenberg positiv beantwortete.

In der Luisenburg-Inszenierung zeigt die robuste Courage auch weiche Stellen. Doch will Rosel Zech nicht mit ihnen hausieren gehen: "Das ist eine starke Frau, die nicht über Gefühle redet, aber trotzdem welche hat." Das deutlichste Beispiel ist für sie eine Szene gegen Ende des Stücks, wenn sie wegen ihrer Tochter Kattrin auf ein Leben mit dem geliebten Mann verzichtet - und nicht darüber spricht.

Dass Zech im Bewusstsein des Publikums die herbe Mutterrolle gepachtet hat, schiebt sie auf die Bekanntheit der Mutter Oberin aus der Fernsehserie "Um Himmels willen" - aber auch die habe durchaus ihre weichen Stellen. "In allen Menschen steckt Feminines und Maskulines." Ihr männliches Beispiel ist Marlon Brando, der viel Erfolg hatte, weil er auch eine weichere Seite zeigte. "Aber glauben Sie mir, es gab auch schon ganz andere Rollen für mich ..."

Nur zwei davon führten Rosel Zech auf Freilichtbühnen, und nie auf eine so überwältigend große. Abgesehen vom Kampf mit dem Wetter ("Schwüle Hitze im Pelzmantel ist noch schlimmer als Kälte und lange Unterhosen"), bedeutet das für sie als Befürworterin des Kunstraums den Einsatz neuer darstellerischer Mittel: Im Theater würde sie feiner differenzieren; die Luisenburg fordert sie heraus, ihre Bewegungen zu vergrößern, was sie durchaus als reizvolle Aufgabe empfindet.

Warum man eine Schauspielerin mit einem solchem Spektrum an darstellerischen Möglichkeiten auch in einem Rosamunde-Pilcher-Film sah? "Ich wollte mal nach England", lautet ihre entwaffnende Antwort. Im Übrigen habe sie auch in einem Film mit schablonenhafter Handlung "gut und schön gespielt".

Jetzt, nach den anstrengenden "Courage"-Proben und bejubelten Aufführungen, kann Rosel Zech auch mal ihren Hobbys frönen: mit dem musikalischen Betreuer des Stücks, Max Doehlemann, statt Dessau Schubert singen; oder lesen; oder die herrliche Landschaft um die Luisenburg bei Spaziergängen erkunden. Aber nicht mehr lange; denn sofort nach der Luisenburg-Zeit geht es weiter, mit Theater und Fernsehen: Die Nonnen stehen schon in den Startlöchern für eine neue Staffel.

Zur Bildgalerie der Frankenpost
zurück
top