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Theater

Mutter Courage und ihre Kinder

- Pressestimmen -

04.07.2009 - Fränkischer Tag Bamberg (Von Anastasia Poscharsky-Ziegeler)

Unsterbliche Hoffnung auf gute Geschäfte

Wunsiedel - Am Ende hofft sie nur "wieder gut in den Handel zu kommen", so wie so viele in unseren Tagen auch. Sie, die Mutter Courage, nachdem sie über zwanzig Jahre mit ihrem Marketenderwagen in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges ihre Fahne immer nach dem Wind gehängt hat, und mit allen Kombattanten wechselnd gute Geschäfte machte. Doch der Preis, den sie zahlen muß, ist hoch: die couragierte Anna Fierling verliert in den Kriegswirren ihre drei Kinder und zieht am Ende ganz allein ihren großen schweren Planwagen durch die verwüsteten Lande.

Auf der Luisenburg ist das Brechtstück mit dem sich viele Schauspielerinnen in der Titelrolle Unsterblichkeit erwarben, in gekürzter Fassung über 135 Minuten mit einer umwerfend starken, singenden, leidenden und hoffenden Rosel Zech zu sehen, Die Premierengäste am Donnerstag wollten mit dem Applaudieren nicht aufhören.

Groß, laut und bunt ist das Ensemble mit 45 Personen, das aus der felsigen Naturbühne in ganzer Breite und Höhe einen Kriegsschauplatz mit Pulverdampf und Kanonendonner macht. Regisseur Pierre Walter Politz läßt einen Bretterweg durch das Fichtelgebirge verlaufen, auf dem ein Bilderbogen aus Moritaten die Zuschauer nicht nur fasziniert, sondern auch erschreckt. Als Akkordeonistin moderiert Jolanta Szczelkun mit starkem osteuropäischen Akzent die Szenen des grausamen Bilderbogens und Mutter Courage verliert zuerst ihren Eilif (Matthias Lehmann) an die Werber des finnischen Heeres, dann den Schweizerkas (Matthias Ransberger) in den Wirren und ganz am Ende, ihre stumme Kattrin (bewundernswert: Johanna Marx), die heldenhaft die Einwohner der Stadt Halle vor den Feinden warnt und dafür ihr Leben läßt. Die Kostüme von Susanne Thaler balancieren der Aussage gemäß zwischen historischen Zitaten, Folklore und Zeitlosigkeit. Als Dirne Yvette hinterläßt Christine Nonnast bei ihrem Luisenburg-Debüt großen Eindruck und schildert die Entwicklung einer tragischen Persönlichkeit, Als windige Schwächlinge ziehen der Feldprediger (Ulrich Gebauer) und der Feldkoch (Peter Kaghanovitch) Nutzen aus der Stärke der Mutter Courage, der in jeder brenzligen Situation ein Ausweg einfällt; selbst als der Winter besonders früh und streng Einzug hält, "im Herbst 1634 im deutschen Fichtelgebirge", wie es im Original tatsächlich heißt.

Schräge Musik zu den schrillen Szenen, kämpferische Lieder von Paul Dessau werden von einem Quartett mir Max Doehlemann in bester Manier nach Bertolt Brechts "Berliner Ensemble dargeboten und münden in einer grandiosen und bedrückenden Schlußszene. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt mit der Frage: Geschäfte ja, aber um jeden Preis?

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