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Wunsiedel - Am Ende hofft sie nur "wieder gut in den Handel
zu kommen", so wie so viele in unseren Tagen auch. Sie, die Mutter Courage,
nachdem sie über zwanzig Jahre mit ihrem Marketenderwagen in den Wirren
des Dreißigjährigen Krieges ihre Fahne immer nach dem Wind
gehängt hat, und mit allen Kombattanten wechselnd gute Geschäfte
machte. Doch der Preis, den sie zahlen muß, ist hoch: die couragierte
Anna Fierling verliert in den Kriegswirren ihre drei Kinder und zieht am Ende
ganz allein ihren großen schweren Planwagen durch die verwüsteten
Lande.
Auf der Luisenburg ist das Brechtstück mit dem sich
viele Schauspielerinnen in der Titelrolle Unsterblichkeit erwarben, in
gekürzter Fassung über 135 Minuten mit einer umwerfend starken,
singenden, leidenden und hoffenden Rosel Zech zu sehen, Die Premierengäste
am Donnerstag wollten mit dem Applaudieren nicht aufhören.
Groß, laut und bunt ist das Ensemble mit 45 Personen,
das aus der felsigen Naturbühne in ganzer Breite und Höhe einen
Kriegsschauplatz mit Pulverdampf und Kanonendonner macht. Regisseur Pierre
Walter Politz läßt einen Bretterweg durch das Fichtelgebirge
verlaufen, auf dem ein Bilderbogen aus Moritaten die Zuschauer nicht nur
fasziniert, sondern auch erschreckt. Als Akkordeonistin moderiert Jolanta
Szczelkun mit starkem osteuropäischen Akzent die Szenen des grausamen
Bilderbogens und Mutter Courage verliert zuerst ihren Eilif (Matthias Lehmann)
an die Werber des finnischen Heeres, dann den Schweizerkas (Matthias
Ransberger) in den Wirren und ganz am Ende, ihre stumme Kattrin
(bewundernswert: Johanna Marx), die heldenhaft die Einwohner der Stadt Halle
vor den Feinden warnt und dafür ihr Leben läßt. Die
Kostüme von Susanne Thaler balancieren der Aussage gemäß
zwischen historischen Zitaten, Folklore und Zeitlosigkeit. Als Dirne Yvette
hinterläßt Christine Nonnast bei ihrem Luisenburg-Debüt
großen Eindruck und schildert die Entwicklung einer tragischen
Persönlichkeit, Als windige Schwächlinge ziehen der Feldprediger
(Ulrich Gebauer) und der Feldkoch (Peter Kaghanovitch) Nutzen aus der
Stärke der Mutter Courage, der in jeder brenzligen Situation ein Ausweg
einfällt; selbst als der Winter besonders früh und streng Einzug
hält, "im Herbst 1634 im deutschen Fichtelgebirge", wie es im Original
tatsächlich heißt.
Schräge Musik zu den schrillen Szenen,
kämpferische Lieder von Paul Dessau werden von einem Quartett mir Max
Doehlemann in bester Manier nach Bertolt Brechts "Berliner Ensemble dargeboten
und münden in einer grandiosen und bedrückenden Schlußszene.
Ein bitterer Nachgeschmack bleibt mit der Frage: Geschäfte ja, aber um
jeden Preis? |