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| 04.07.2009 -
Oberpfalznet.de (Von Frank Stüdemann) |
Der Krieg - Der größte Zuhälter aller
Zeiten |
| Premiere einer
fesselnden und sehenswerten Inszenierung von Bertold Brechts Mutter
Courage und ihre Kinder auf der Luisenburg |
| Wunsiedel - der Krieg,
jeder Krieg, ist wie ein gnadenloser Zuhälter: Wer Glück hat, den
ernährt er, dem verschafft er ein gutes Leben. Als Gegenleistung muss der
Mensch ihn am Leben erhalten, ihn füttern, denn nichts ist schlechter
fürs Geschäft als Frieden. Der Krieg fordert weit mehr Opfer als die
Leben der Soldaten, die ihn führen: Moral, Menschlichkeit, Glaube,
Hoffnung - alles lassen die Menschen früher oder später auf der
Strecke, wenn der Krieg nur lange genug durchhält. |
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Gut 70 Jahre hat Bertold Brechts Drama um die resolute Anna
Fierling, Mutter Courage genannt, mittlerweile auf dem Buckel, und leider ist
es aktuell geblieben. Das 1941 in Zürich uraufgeführte Stück
erzählt die Geschichte einer echten Kriegsprofiteurin und ihres
Nachwuchses, ursprünglich angesiedelt in den Wirren des
Dreißigjährigen Kriegs: Mit ihrem Planwagen zieht Courage jahrelang
als Marketenderin durch Schweden, Polen, Sachsen und Bayern. Sie macht gute
Geschäfte, bietet den Widrigkeiten des Lebens stark die Stirn und
lässt sich vom Säbelrasseln der Soldaten (gleich, welcher Seite)
nicht beeindrucken. Und doch zahlt sie am Ende den ultimativen Preis, hat alle
Kinder verloren. |
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Mitreißende Moritat |
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Die Inszenierung von Regisseur Pierre Walter Politz, die am
Donnerstagabend bei den Luisenburg-Festspielen Premiere feierte, hat auf
beeindruckende Weise herausgearbeitet, wie relevant Brechts Stück noch
immer ist. Politz hat den Kern der Geschichte freigelegt und konzentriert, er
verzichtet dabei auf den befürchteten erhobenen Zeigefinger der
Lehrhaftigkeit. Seine Mutter Courage ist eine mitreißende
moralische Moritat mit scharfem Witz und der mitreißenden Musik von Paul
Dessau.
Rein optisch löst Politz das Stück aus einer
definitiven zeitlichen Zuordnung heraus: Die Soldaten etwa, die immer wieder
affengleich wippenden Schrittes über die Naturbühne eilen, tragen
schwere schwarze Lederkleidung mit Kunststoff-Protektoren und scheinen eher aus
einem Science-Fiction-Film zu stammen. Auch sonst werden gerade bei den
Kostümen - immer stimmig - verschiedenste Stile kombiniert, was das
Stück zeitlos wirken lässt: Denn dies könnte jeder Krieg sein,
jederzeit, überall.
Das zeigt auch und vor allem diese Courage: Gespielt von
Rosel Zech, bekannt aus der TV-Serie Um Himmels Willen sowie
einigen Zadek- und Fassbinder-Filmen, ist sie keine Fahnen schwenkende
Patriotin, sondern eine pragmatische Mutter dreier Kinder, die ihre Talente
einsetzt, um in einer brutalen Welt zu überleben. Sogar beim Anblick ihres
zu Tode gefolterten Sohnes Schweizerkas (Matthias Ransberger) verzieht sie
keine Miene, um sich und den Rest ihrer Sippe nicht zu gefährden. Zechs
Interpretation der Rolle ist wohltuend unprätentiös, fokussiert und
universell authentisch. Die Schau stiehlt ihr allerdings die großartige
Johanna Marx als Courages stumme Tochter Kattrin: Sie spielt die junge Frau,
der die Mutter einen Mann versprochen hat, sobald der Krieg aus ist, mit derart
intensiver Mimik und Körpersprache, dass man den Blick fast nicht von ihr
abwenden kann. Mal kauert sie ängstlich wie ein Tier am Boden, dann
strahlt sie in den wenigen ruhigen Momenten wie ein kleines Kind, und am Ende
ihres jungen, traurigen Lebens trommelt sie heldenhaft und voller Trotz gegen
den Feind an. |
| Jeder ist
ein Opfer |
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Beeindruckende schauspielerische Leistungen liefern zudem
Ulrich Gebauer als ganz und gar unfrommer Feldprediger sowie Christine Nonnast
als Hure Yvette: Im Gegensatz zu Zechs Mutter Courage darf sie, die für
all die geschändeten weiblichen Opfer des Krieges steht, auf der breiten
Klaviatur der Emotionen spielen. Auch Peter Kaghanovitch als Koch und Matthias
Lehmann als Courages ältester Sohn Eilif zeigen beeindruckend zwei weitere
Typen von Kriegsprofiteuren: Der eine schmeichelt den Gaumen der mächtigen
Militärführer, der andere macht als Soldat Karriere.
Am Ende aber sind sie alle gleich, sind bleichgesichtige
Opfer und Ausgebeutete des Zuhälters Krieg und stehen von Fackeln
beleuchtet auf der Bühne. Ein packendes Bild zum Schluss einer packenden
Inszenierung mit einer klaren Botschaft: Im Krieg gibt es letztlich keine
wirklichen Gewinner. |
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