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Theater

Mutter Courage und ihre Kinder

- Pressestimmen -

26.06.2009 - Frankenpost (Von Johanne Arzberger)

Appetithappen mit Gesang

Wunsiedel - "Wir wollen Ihnen Appetit machen und zeigen, dass Bertolt Brechts sogenannte ,Lehrstücke' eigentlich Volksstücke sind", so Manfred Bachmayer beim zweiten Einführungsabend zu den Luisenburg-Festspielen. Zusammen mit Ensemblemitgliedern wollte der Dramaturg die Besucher im ordentlich gefüllten Saal der Fichtelgebirgshalle mit hinein nehmen in die Arbeitsatmosphäre und den Prozess der Umsetzung von Erkenntnissen während der Probenphase zu "Mutter Courage und ihre Kinder."

So sieht zum Beispiel Regisseur Pierre Walter Politz, ein bekennender Brecht-Fan, in der Naturkulisse der Luisenburg eine Metapher für das Ausgeliefertsein des Menschen an Umwelt und Schicksal. Die Mutter Courage der Luisenburg zieht mit ihrem Karren nicht, wie sonst üblich, vor einem dunklen Theatervorhang auf, sondern bewegt sich, allen Widrigkeiten des Wetters und der Bodenverhältnisse ausgesetzt, über Steine und Wurzeln bergauf und bergab. "Alles, was man sich sonst bei Brecht vorstellen muss, ist hier Realität", sagt der Regisseur, und der Dramaturg ergänzt: "Wir haben das Stück da, wo es Brecht eigentlich nicht haben wollte, wo es aber spielt."

Tatsächlich handelt die neunte Szene "vor Ort" im Fichtelgebirge. Bei Brecht heißt es dazu: "Im Herbst 1634 begegnen wir der Courage im deutschen Fichtelgebirge, abseits der Heerstraße, auf der die schwedischen Heere ziehen. Der Winter in diesem Jahr kommt früh und ist streng. Die Geschäfte gehen schlecht, so dass nur Betteln übrig bleibt."
Dass Brechts Stück viel mit Volkstheater zu tun hat, belegte Bachmayer mit einem Hinweis auf die Vorlage zu "Mutter Courage", nämlich dem deutschen Volksbuch von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: "Ausführliche und wundersame Lebensbeschreibung der Erzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche". Mit Grimmelshausens "Courasche" war der Stil gefunden für ein Volksstück über den Krieg, das von Menschen aus dem Volk erzählt und von deren Sorgen und Nöten.

Grimmelshausens Courasche lieferte die Hauptfigur und den Rahmen, beides wie geschaffen für Brechts Theaterkonzept: Je weiter die Handlung von der Jetztzeit entfernt ist - das Stück handelt im Dreißigjährigen Krieg - , je mehr Distanz der Zuschauer hat, desto besser begreift er den Widerspruch der jeweiligen Bühnenperson, anstatt sich mit ihr zu identifizieren. Desto leichter auch wird der Mechanismus von Ursache und Wirkung durchschaut.

Als weiteren Beweis für den Volkstheatercharakter der Brecht-Stücke kann die Tatsache gesehen werden, dass Brecht seinen Weg zum Theater zusammen mit Karl Valentin gefunden hat. Valentins Darstellung der Absurdität des Alltäglichen lieferte wesentliche Ansätze für Brecht. Ein Beispiel dafür gaben die Schauspieler Matthias Ransberger und Holger Mattias Wilhelm mit Valentins Gespräch von Vater und Sohn "Über den Krieg".

Bereits zweimal wurde "Mutter Courage" auf der Luisenburg gespielt: 1968 mit Grete Wurm und 1986 mit Elisabeth Orth in der Titelrolle. Für die diesjährige Inszenierung wurde mit Rosel Zech eine der herausragenden Charakterdarstellerinnen des deutschen Theaters gewonnen.

Zusammen mit ihren Kollegen Peter Kaghanovitch, der den "Koch" spielt, Ulrich Gebauer (Feldprediger) und Christine Nonnast (Yvette) gab Rosel Zech eine Kostprobe aus dem achten Bild in dem "der Friede ausgebrochen " ist.

Und weil sich die Luisenburg-Inszenierung 2009 der "Courage" als "bunter Bilderbogen mit Musik, als eine Art Moritat gegen den Krieg" versteht, so Dramaturg Bachmayer, gab es auch eine musikalische Einstimmung. Am Klavier von Max Doehlemann begleitet, sangen Holger Mattias Wilhelm und Rosel Zech "Das Lied vom Weib und dem Soldaten", bevor das zierliche Energiebündel Zech die begeisterten Zuhörer mit ihrer Interpretation des Liedes "Von der großen Kapitulation" nach Hause verabschiedete.

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