Beschreibung: |
Ich erzähle von der Gewalt der Gefühle, von
der Niederlage des Augenblicks, also, ich weiß nicht genau, wie ich das
erklären soll, aber sicherlich erzähle ich in meinen Stücken
keine Ereignisse, keine Geschichte, keinen Ablauf in der Zeit, so etwas habe
ich nie gemacht. Für meine Literatur gilt also nicht die klassische
Begründung des Schreibens, das man etwas erzählen will. Mein
Schreiben ist eher der Versuch, einen bestimmten Blick auf das Schicksal des
Menschen und die Komplexität des Daseins zu werfen. Und dieser Blick ist
im wesentlichen ein Blick des Mitgefühls. In ihrem spanischen Stück
läßt Yasmina Reza fünf Schauspieler auftreten, die eine
Familiengroteske des spanischen Jungdramatikers Olmo Panero probieren. In
imaginierten Gesprächen treten sie aus ihren Rollen heraus und
erzählen dem Autor, der Kostümbildnerin, einem Interviewpartner von
ihren Ängsten und Träumen. Pilar verrät, daß sie
Empfangsdame in einem Frisiersalon war, ihre neue Liebe Fernan lernen wir als
verwitweten Hausverwalter kennen, ihre Töchter Nuria und Aurelia sind
Schauspielerinnen, von denen eine im Filmgeschäft reüssiert und mit
einem Hollywoodstar liiert ist, während die andre auf den Erfolg
verzichten muß und mit einem alkoholsüchtigen Mathematiklehrer
namens Mariano verheiratet ist. Ins Auf und Ab der Familiengroteske hat Yasmina
Reza ein melancholisch grundiertes Motiv eingewebt: Aurelias Versuch, in einem
Vorstadttheater ein bulgarisches Stück aus den 70er Jahren zu probieren,
in dem sie eine unglücklich verliebte Klavierlehrein spielt: "Sie werden
aufstehen, sich umdrehen und mich anschauen, Sie werden nicht etwa die
Resignation sehen, die meine Haltung, mein ordentlich zusammengelegter Mantel
auf dem Stuhl und meine Notentasche vermuten lassen. Sie werden einen
erbarmungslosen Kummer sehen, und einen Hauch Freude. Stehen Sie auf, haben Sie
keine Angst, ich will nicht geliebt werden, nicht in Wirklichkeit."
Quelle: Schauspielhaus Hamburg
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